Sexsucht - Krankheit und Trauma im Verborgenen


 
Sehr detaillierter und informativer Ratgeber...
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(TOP 500 REZENSENT)    Rezension bezieht sich auf: Sexsucht - Krankheit und Trauma im Verborgenen (Broschiert) Dem Psychotherapeut Kornelius Roth ist aus 20-jähriger Arbeit mit sexsüchtigen Menschen ein mittlerweile in erweiterter 3. Auflage erscheinendes grundlegendes Fachbuch zu dem zunehmend wichtigen und immer noch unterschätzten und bagatellisierten Thema gelungen, das ich sowohl Betroffenen wie auch deren Angehörigen, aber auch für Therapeuten zur Lektüre sehr empfehlen kann.

Im ersten Teil erfolgt die Bestandsaufnahme: "Sex als Sucht". Wie stellt sie sich mit den aktuellen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen einer frei verfügbaren medialen Pornografie im überall verfügbaren Internet dar? Wer neigt aufgrund welcher biografischen Sozialisation, welcher biologischen oder psychischen Faktoren oder welchen Traumas in der frühen Kindheit besonders leicht zu dieser vor allem die Männer betreffenden Sucht, der geschätzt derzeit etwa eine halbe Million Menschen in Deutschland unterliegen? Welche Funktionen bedient diese Sucht, was soll sie lindern? Welche oft deletären Auswirkungen hat diese, wie auch fast jede andere Sucht (z.B. Vereinsamung, Rückzug, mangelndes Selbstbewusstsein, etc.), und was sind typische Auslösesituationen, sich z.B. vor dem Rechner beim Anschauen pornografischer Internetmedien selbst zu befriedigen? Gibt es Zusammenhänge der Sexsucht zu anderen Süchten, gibt es Mehrfachsüchtigkeit? Schließlich geht Roth auch der Frage nach, in wieweit Sexsucht mit anderen psychischen Erkrankungen zusammenhängen kann.

Nach der Diagnose kommt im zweiten Teil die Therapie zur Sprache: "Wege aus der Sucht". Nach dem leitbild-artigen Vorstellen von Kriterien gesunder Sexualität (in eine liebevolle, von Zuneigung, Achtung und Vertrauen gekennzeichnete Beziehung eingebettet, fähig zum Triebaufschub, Teil der Bindung und partnerschaftlichen Entwicklung, Ehrlichkeit in der Begegnung, Akzeptanz des Unperfekten, Fähigkeit zum Genuß, unterlegter Wunsch nach Liebe) kann der betroffene Leser sich selbst testen, ob er sexsüchtig ist. Wie bei der Alkoholsucht eine Alkohol-Meidung, so empfiehlt Roth auch bei der Sexsucht die sexuelle Abstinenz, jedenfalls das Meiden der typischen Auslösesituationen. Und daneben natürlich das Ergründen der dahinter sich versteckenden persönlichen Probleme, die in die Sucht geführt und diese Probleme womöglich weiter verschärft haben. Es ist also eine Arbeit an sich selbst gefordert, die hinführen kann zu einer Spiritualität und Genesung. Es ist die Stärke dieses Buches, dass es nicht einseitig christlich-religiös argumentiert, wie die meisten anderen erhältlichen missionarisch daherkommenden Sexsucht-Ratgeber. Spiritualität ist hier abseits von Religion und Psychotherapie ganz weit gefasst als eine solche der "Unvollkommenheit, die mehr eine Sehnsucht nach einer vertieften Innerlichkeit ist, ... um die innere Zerrissenheit überbrücken zu helfen". Man kann diesen spirituellen Durst als Sehnsucht nach Gott oder eben nach persönlicher Ganzheit bezeichnen. "Die Sucht", so Roth, "kann demnach als Allegorie auf diese spirituelle Not gesehen werden": sie zeigt Probleme in der Selbstfindung an. Vielfach wird es dabei sinnvoll sein, sich in psychotherapeutische Einzel- oder auch Gruppenbehandlung zu begeben.

Weitere Kapitel behandlen im Speziellen die Cybersex-Sucht und die sexuelle Co-Abhängigkeit von Angehörigen, parallel zu Erkenntnissen bei der Alkoholsucht, die ebenfalls häufig von Angehörigen gestützt wird, weil diese selbst ganz bestimmte persönliche Probleme haben, z.B. Verlassensängste, mangelndes Selbstbewusstsein und resultierender Unfähigkeit zum Nein-Sagen und zum Erkennen eigener Wünsche, Gefühle und Ziele.

Fazit: ein sehr detaillierter und informativer Ratgeber zu einem noch immer unterschätzten und tabuisierten Problembereich, der nichts desto trotz die Betroffenen in einen Strudel des gesellschaftlichen Randdaseins spülen kann, weil Ehe und auch Beruf leicht dabei in die Brüche gehen können: in den USA sind z.B. 70% der Online-Aktivitäten auf Sexseiten während der Arbeitszeit zu registrieren, was leicht arbeitsrechtliche Konsequenzen für die Betroffenen haben kann. (4.01.11)
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 4. Januar 2011
Kundenrezensionen:
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